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Wann sollte das Kind aus dem Familienbett?

Die Mehrzahl der kleinen Kinder bis etwa 5 Jahre sind sehr regelmäßig nachts unterwegs in die Betten ihrer Eltern. Für nahezu alle Eltern ist das auch in Ordnung. Das ist dann eine Ausnahme. Wer diese Schlafordnung aber auf Dauer einrichtet und das Ganze am besten sogar noch Familienbett nennt, der steht gerade in der westlichen Welt schnell als Outsider da.

Fragen werden hinter vorgehaltener Hand gestellt:

  •  Sind das jetzt Hippies?
  • Was für ein abgedrehter Erziehungsstil soll das sein?
  • Haben die ein Problem mit Loslassen?
  • Haben die finanzielle Probleme und wollen kein Kinderzimmer einrichten?
  • Von welchem Naturvolk haben die denn solche Ideen und warum müssen die das hier umsetzen?

Viele unterschätzen hier die Urteilsbereitschaft ihrer Mitmenschen.

Aber ist die Praxis des Familienbetts wirklich ein Zeichen schlechter Erziehung? Oder ist es vielmehr eine gute Mischung aus Kultur und Entwicklungspsychologie?

Was hat das Familienbett mit Entwicklungspsychologie zu tun?

Wenn ein Kind auf die Welt kommt, ist es offensichtlich abhängig von den Eltern. Mit der Zeit wird es aber selbstständiger. Es beginnt, zu laufen, alleine zu essen und wird nicht mehr den ganzen Tag herumgetragen. Im Alter von 2 Jahren beginnt für viele Kinder die Autonomiephase – was viele als Trotzalter bezeichnen, ist für das Kind ein Ausdruck seiner inneren Zerrissenheit. Es hat seinen eigenen Kopf und dort ist es auch viel weiter, als die Außenwelt es wahrnehmen könnte. Eigene Überschätzung spielt hier eine große Rolle und das führt zu Konflikten. Der Wille des Kindes deckt sich nicht mit dem der Eltern. Dieser Ablöseprozess des Kindes und die steigende Autonomie führen bei nicht wenigen Kindern zu einem Gefühl des Verlassenseins in der Nacht. Die Konflikte und die Trennung des Tages wollen nachts verarbeitet werden. Und wo könnte ein Kind das besser schaffen als in der schützenden Nähe der Eltern? Darüber hinaus unterschätzen viele das doch noch recht hohe Nähebedürfnis der Kleinen. Während sie tagsüber auf ihrer Unabhängigkeit bestehen, holt sich die kindliche Psyche nachts die Nähe und die Kuscheleinheiten, die es tagsüber von sich weggestoßen hat.

Was hat das Familienbett mit Kultur zu tun?

Schlafen ist in der Tat viel mehr eine kulturelle Angelegenheit als eine biologische. In diese Tatsache spielt sicher auch das äußere Umfeld mit hinein. Denn wenn Menschen in Afrika in eher behelfsmäßigen Hütten mit wilden Tieren in direkter Umgebung schlafen, ist es nur logisch, dass sie ihr Kind möglichst in der eigenen Nähe behalten. Denn einzelne Menschen sind beliebte Opfer von Tierangriffen. Hier ist es oft auch eine Platzfrage. In die kleinen Räumlichkeiten muss alles hineinpassen – von der Waschstelle über eine Kochstelle, ein paar Sitzgelegenheiten und eben der Schlafplatz. Dieser wird dann an einen gesammelten Ort verlegt. Auch in Lateinamerika gehören Kinder traditionell in den ersten Lebensjahren mit ins Bett der Eltern.

In der westlichen, sehr industrialisierten Welt haben wir viel Platz zum Wohnen. Da gilt es als Luxus, wenn jeder seinen eigenen Raum zugewiesen bekommt. Dementsprechend werden die Kinderzimmer ausgestattet und so wird es als ganz natürlich angesehen, dass schon Neugeborene in ihre eigenen Bettchen gelegt werden und dort bitte auch die ganze Nacht schlafen sollen.

Hinzu kommt die Art und Weise, wie wir als Kultur ein Neugeborenes betrachten. Denn dementsprechend sind dann auch die Erwartungen, die wir an die Entwicklung des Babys haben:

Japaner empfinden Neugeborene als sehr eigenständige Persönlichkeiten, die durch ihr Umfeld an das Leben in der Gemeinschaft gewöhnt werden sollen. Wenn sie gemeinsam mit ihren Eltern in einem Bett schlafen, kann ihnen das dabei helfen.

In den USA herrscht hingegen eine ganz andere Sicht auf Neugeborene. Hier gelten sie als abhängiges Wesen und es gilt, sie zu autonomen Wesen zu erziehen. Das getrennte Schlafen soll hier eine Hilfe darstellen.

Das macht sich kaum jemand aktiv so bewusst. Es ist vielmehr die innere Haltung den Babys gegenüber.

In Europa ist die nächtliche Schlafsituation schon architektonisch gefühlt in Stein gemeißelt und das seit den 70er und 80er Jahren. In das Elternschlafzimmer passte genau das Ehebett mit zwei Nachttischen. Sogar die Position des Betts war mit 2 Steckdosen mehr oder weniger festgelegt. Weder über Feng Shui noch über bindungsorientierte Erziehung machte man sich Gedanken. Das Bett stand zwischen den beiden Steckdosen und wer nicht gut schlief, der machte wohl tagsüber etwas falsch. In das Kinderzimmer passten anfangs eine Wiege, ein Gitterbett und ein Schränkchen.

Apropos bindungsorientiert: Der amerikanische Kinderarzt William Sears, auf den die bindungsorientierte Erziehung zu großen Teilen zurückgeht, hat schon früh eine Umfrage gemacht. Das Ergebnis ist wenig verwunderlich: Die meisten Mütter hätten ihr Baby nachts am liebsten direkt bei sich und wenn Großeltern heutzutage klagen, die modernen Eltern und besonders Mütter würden ihre Babys verhätscheln und einfach überall mit hinnehmen, dann könnte da auch eine gute Portion Neid mit hineinspielen. 

Das Familienbett und das Liebesleben

Ganz klar: Wenn ein Baby oder Kind mit im Elternbett schläft, beeinflusst das das Liebesleben der Eltern. Aber das tut ein Kind ohnehin. Denn wer nachts x-mal aufstehen muss, wird die wenige Zeit, die er schlafen kann, auch für Schlaf nutzen. In der ersten Zeit als frischgebackene Eltern ist man sehr damit beschäftigt, sein Leben neu zu sortieren. Denn nicht wenige Paare unterschätzen den anfänglichen Aufwand und die Müdigkeit, die man verspüren kann, wenn ein neues Leben die Familie bereichert. Mit der Zeit sortiert sich alles und irgendwann ist auch wieder die Energie für Sexualität da. Wenn einer der Partner dann aber auf Dauer darauf besteht, dass das Kind im Bett bleibt und das nicht, weil er das Gefühl hat, das Kind braucht das, sondern eher als eine Art Schutzwall, dann ist es an der Zeit, sich Gedanken zu machen.

Tatsache ist: Das Familienbett ist eine Entscheidung, die Sie als Familie treffen müssen. Hier hilft vor allen Dingen das Gespräch. Denn ein Kind bedeutet nicht zwangsläufig das Ende jeglichen Liebeslebens. Das beweisen letzten Endes Familien mit mehr als einem Kind.

Das Familienbett und die Sicherheit

Gerade in Amerika, wo, wie hier schon dargelegt wurde, das Familienbett kulturell nicht besonders gerne gesehen wird, warnen Kinderärzte vor der Praxis, weil es die Sicherheit des Kindes gefährden könnte. Auch in Europa gibt es immer mehr Ärzte, die sich kaum trauen, das Familienbett als gesunde Praxis zu empfehlen. Es gibt aber durchaus auch noch Kinderärzte, die sich beruhigend äußern. Niemand würde schließlich das Autofahren, wenn man angeschnallt und vernünftig fährt, als tödliche Falle bezeichnen, nur weil dabei theoretisch etwas passieren kann.

Genau wie für das Autofahren gibt es für das gemeinsame Schlafen Regeln. Wenn Sie sich ausreichend damit beschäftigen, dann gedeiht das Familienbett auch nicht zur Raketenwissenschaft. Vielmehr gilt es, einmal eine vernünftige Basis zu schaffen, in die man sich gemeinsam mit dem Kind legen kann.

Werden die Kinder dann zu kleinen Nervensägen, die das elterliche Bett nie verlassen werden? Das Gegenteil ist der Fall, so wusste es schon William Sears zu berichten. Gerade, wenn in der Familie ein Klima herrscht, das das Selbstwertgefühl des Kindes stärkt, müsse man sich demnach keine Sorgen um die Abhängigkeit beziehungsweise vielmehr um die Unabhängigkeit machen. Wenn Sie Ihr Baby also bei sich schlafen lassen, erfüllen sie damit sein Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit. Unabhängigkeit ist demnach nichts, was man antrainieren kann. Tatsächlich muss ein entsprechendes Umfeld vorhanden sein und dann geschieht diese Entwicklung von alleine. Im Alter von 2 bis 3 Jahren verlassen Kinder dann von alleine das elterliche Bett.

Was sagen Studien dazu?

Das gemeinsame Schlafen war nicht nur einmal Gegenstand von Untersuchungen in Schlaflaboren. Hier, wo der Schlaf ja überwacht wird und keinerlei Gefahr besteht, dass einem Baby etwas passiert, stellte man Erstaunliches fest: Säuglinge passen ihre Schlafposition dem Elternteil an, neben dem sie schlafen. So konnte man beobachten, dass das Baby sich im Schlaf mit dem Gesicht dem Elternteil zuwendet. Es wird eher nicht auf dem Bauch schlafen.

Noch bemerkenswerter ist aber die Schlaftiefe, die sich sowohl bei der Mutter als auch beim Kind einstellt. Die Schlafphasen passen sich nicht nur an. Wenn das Baby in einem anderen Zimmer schlief, hatten beide, also sowohl Baby als auch die Mutter, die innerlichen Antennen auf Überwachungsmodus geschaltet und so schliefen sie beide weniger tief. Dennoch wurde die Mutter vom weinenden Baby nicht selten aus dem Tiefschlaf gerissen und fühlte sich am nächsten Morgen weniger ausgeschlafen. Schlief das Baby aber direkt neben ihr, waren die Schlafphasen eher angeglichen. Niemand wurde wirklich unerwartet geweckt und so schliefen auch beide deutlich schneller wieder ein. Der Schlaf wurde als insgesamt erholsamer betrachtet.

Auch die Schlafpositionen passten sich an. Instinktiv nimmt die Mutter in der Regel eine beschützende Körperhaltung ein. Beide bewegen sich so, dass es nie zu einer wirklich gefährlichen Situation kam.

Was können Sie sonst noch tun?

Vor allen Dingen ist es wichtig, dass man sich aktiv entscheidet, die Entscheidung gemeinsam trägt und gegebenenfalls überdenkt, wenn sich etwas verändert. Außerdem muss die gemeinsame Entscheidung für das Familienbett in der Regel nur einmal sicher umgesetzt werden und schon muss sich niemand jede Nacht Gedanken machen, ob auch alle gut schlafen werden. Dazu gehört, dass Geschwisterkinder nicht direkt nebeneinander schlafen sollten. Alkohol, Medikamente und bleierne Müdigkeit sind ebenfalls ein Ausschlusskriterium. Achten Sie darauf, dass Ihr Baby weder zwischen Bett und Wand noch zwischen zwei Matratzen rutschen kann.

Bei unseren Familienbetten, die in der Manufaktur am Bodensee aus Vollholz hergestellt werden, haben Sie aus genau diesem Grund die Möglichkeit, an beiden oder nur an einer Seite einen Rausfallschutz zu installieren.

Sie haben Fragen zu unseren Familienbetten? Dann nehmen Sie jetzt ganz einfach Kontakt auf.

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